Mal nachgedacht

Kinderheim Kabul 2004

Ich war mal wieder viel unterwegs in den letzten Tagen. Viel Zeit um Menschen zu beobachten in den Städten, Bahnhöfen und Zügen. Viel Zeit zum Lesen und nachdenken. Und in Anbetracht der aktuellen Ereignisse frage ich mich: Was zur Hölle stimmt mit einigen nicht!? Verdammt nochmal wie können sich in unserer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft, Ereignisse wie Anfang der 90er Jahre in Rostock und anderen Städten jetzt in Freital und Heidenau wiederholen?

Wer mich kennt, weiß dass mein Beruf für mich Berufung ist und das der Eid den ich geschworen habe, für mich mehr ist, als nur ein formaler Akt den es eben zu leisten gilt wenn man Soldat sein will.

Wer mich kennt, weiß dass ich durchaus eine patriotische Einstellung habe und stolz auf unser Land der Dichter und Denker, mit all seinen Errungenschaften und Persönlichkeiten die es hervor gebracht hat, bin.

Wer mich kennt, weiß dass ich lange Zeit im Ausland in Krisen- und Kriegsgebieten verbracht habe. Und ganz gleich wo, ob auf dem Balkan, in Afghanistan oder im Kongo – das Elend auf einmal nicht nur als grobkörniges Bild auf der Titelseite einer Tageszeitung zu sehen, sondern mittendrin zu sein, verändert einen nachhaltig. Und das dort Gesehene und Erlebte verändert den persönlichen Blickwinkel auf vieles.

Ich als Soldat sehe den Flüchtlingsstrom in unser Land selbstverständlich durchaus skeptisch. Natürlich werden unter all denen, die wirklich Hilfe brauchen auch Individuen sein, die diese Hilfsbereitschaft ausnutzen oder sie gar nicht brauchen bzw. missbrauchen. Womöglich auch welche, die kriminelle Energie mitbringen. Oder gar Terroristen die im Schutz des Flüchtlingsstroms untergetaucht sind. Es werden Menschen dabei sein, die Dinge getan haben aufgrund derer man ihnen das Mensch sein aberkennen könnte.

Es wird eine Bewährungsprobe für unsere Gesellschaft. Ganz ohne Frage. Denn das, was wir da erleben ist nichts anderes als eine humanitäre Katastrophe. Und sie ist bist zu uns nach Deutschland geschwappt. Es muss gehandelt werden. Im Rahmen aller rechtlichen Möglichkeiten. Wer Hilfe benötigt, soll diese bekommen. Wer sie missbraucht, sie nicht nötig hat oder sich nicht unseren Regeln und Gesetzen entsprechend verhält, verwirkt sein Aufenthaltsrecht. Gewalt darf hierbei niemals eine Lösung sein.

Umso beschämender ist jetzt das Handeln Einzelner die stumpfe Gewaltakte als Lösung einer fehlgeschlagenen Politik im Ausland sehen. Anstatt zu hinterfragen warum diese Menschen hier sind. Anstatt kritisch zu hinterfragen wie es soweit kommen konnte, das Menschen tausende Kilometer ins Ungewisse gehen und ihre Heimat verlassen. Anstatt zu hinterfragen wo Politik, Gesellschaft und Staaten da weit im Vorfeld schon versagt haben. Und das haben sie. Anstatt Druck auszuüben auf Politiker und andere Entscheidungsträger um Veränderungsprozesse in Gang zu setzen, die die Ursachen der Flüchtlingsströme bekämpfen und nicht die Flüchtlinge. Aber Steine und Flaschen zu werfen ist natürlich einfacher.

Ja, geht auf die Straße! Aber für die richtigen Werte und ohne Gewalt. Die Würde des Menschen ist unantastbar. DES MENSCHEN. Wahrscheinlich wissen viele der Menschen die hier her fliehen nicht einmal das dieser Satz überhaupt Gesetz sein kann in einem Land auf dieser Welt. Und die, die Steine werfen und Häuser anzünden und dabei ja ach so deutsch sind, sollten sich in Erinnerung rufen welchen Wert dieses (deutsche) Grundgesetz hat. Denn vor noch gar nicht langer Zeit, galt dieses Grundgesetz für viele Deutsche gar nicht. Schon vergessen?

Der eine fragt: Was kommt danach?
Der andre fragt nur: Ist es recht?
Und also unterscheidet sich
der Freie von dem Knecht.

(Theodor Storm)

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